Das Gedicht ist wie ein Gebet. Ein Gebet für gute und für schlechte Zeiten. Ein Gebet für schöne und traurige Anlässe. Ein Gebet für das Leben und für den Tod, wobei der Tod auch ein Teil unseres Lebens ist.

Vielleicht ist es zu philosophisch für heute…aber sehr trostspendend.

In dem Gedicht beschreibt Hermann Hesse den Kreis des Lebens, die Notwendigkeit sich weiterzuentwickeln und mit den Änderungen des Lebens fertig zu werden.

Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
 Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
 Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
 Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.

Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe
 Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
 Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
 In andre, neue Bindungen zu geben.

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
 Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
 An keinem wie an einer Heimat hängen,
 Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
 Er will uns Stuf’ um Stufe heben, weiten.

Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
 Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
 Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
 Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
 Uns neuen Räumen jung entgegensenden,
 Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden…
 Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

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